Selbstbestäubende Orchideen

Date:2006-06-22 11:27:00

Wegen der großen Nachfrage (immerhin 100% meiner bekannten Leserschaft hat sich beschwert) hier mal wieder ein Eintrag. Eigentlich wollte ich ja vor Monaten hier ein kleines Programm schreiben das ein Räuber und Beute Verhalten nach Volterra simuliert. Das habe ich nicht gemacht. Vor lauter Semester bin ich nicht dazu gekommen. Now something completely different. Ich habe gestern einen sehr interessanten Artikel gelesen. Es geht darum um die asiatische Orchideen-Art Holcoglossum amesianum, die sich selbst bestäuben kann. Normalerweise haben Orchideen sehr komplexe Organe ausgebildet um genau dies zu verhindern, z.B. kleine Trennwände zwischen Staubblatt und Griffel und ähnliches. Die Bestäubung wird dann entweder vom Wind oder von Insekten vorgenommen. Alles schön und gut. Diese Orchidee hat sich aber eine Nische ausgesucht in der es weder Wind noch Insekten gibt. Sie lebt in asiatischen Bergwäldern als Epiphyt und blüht von Februar bis April. Das Wetter in dieser Jahreszeit ist trocken und windstill und die Insekten sind auch noch am schlafen. Und was macht die Orchidee? Sie lässt einfach ihr Staubblatt um die Trennwand, die die Selbstbefruchtung verhinder soll, herumwachsen und geht den Griffel besuchen. Was lernen wir daraus? Inzest ist wohl besser als aussterben. Zumindestens für Holcoglossum amesianum. Von denen, für die es nicht besser war, werden wir wohl nie erfahren.